Das Geheimnis heisst Zeit…

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So steht es im letzten Blog-Eintrag, den Stefanie geschrieben hat. Sie hat Luz Gonzalez interviewt. Luz nimmt sich Zeit, viel Zeit – für ein feines Mittagessen bei uns im Grotto Reale. Luz geniesst das Essen. Sie geniesst den Wein. Sie lässt ihrem Gaumen Zeit, den Geschmack der verschiedenen Aromen zu entdecken. Sie sagt, dass sich der Gaumen dabei stets weiter entwickelt. Neues entdecken – das hört nicht beim Wein auf.

Nimmt man sich Zeit für das Leben, lernen wir es aus neuen Perspektiven kennen. Zeit ist wichtig für so vieles: für sich selber, für Freunde, für Geschäftsbeziehungen. Zeit ist ein „endliches“ Gut. Der Tag hat nur vierundzwanzig Stunden. Das Leben ist „endlich“. Irgendwann ist unsere Zeit abgelaufen. Dann ist es zu spät. Zeit ist wertvoll, weil sie so beschränkt ist und weil man sie nicht kaufen kann.

Kennen wir das nicht Alle, dass wir der Zeit oft hinterher rennen? Gerade jetzt, wo die nächsten Feiertage nahen. Nächsten Sonntag ist bereits der 1. Advent – der Countdown zu Weihnachten läuft! Selbst wer damit vielleicht nicht so viel am Hut hat, wer das Schenken zu Weihnachten abgeschafft hat, kann sich der Hektik meist nicht entziehen. Im Geschäft steht das obligate Weihnachtsessen an. Im Büro müssen die Jahresabschlüsse vorbereitet werden. Es gilt zu planen, wer wann welche Verwandten besucht oder selber einlädt. Meist kann man sich dem geschäftigen Tun um sich herum nicht entziehen. Meist aber auch nicht einem gewissen Zauber, der Weihnachten trotz allem mit sich bringt. Denn Weihnachten begegnet uns jetzt überall: beim Bäcker mit seinen feinen Weihnachtsstollen, am Glühweinstand am Bahnhof, beim Häuschen zum Kerzenziehen am Bürkliplatz und der Himmel der Zürcher Bahnhofstrasse ist voller kleiner, leuchtenden Sternchen: „Lucy“, die Weihnachtsbeleuchtung, ist wieder da, herrlich kitschig und romantisch – kein Vergleich zum kalten Licht der hässlichen Neonröhren aus vergangenen Jahren. Es ist Zeit, die vorweihnachtliche Zeit zu geniessen, trotz allem, was wir noch um die Ohren haben. Und wenn wir keine Lust oder Zeit haben, um Geschenke zu kaufen, dann verschenken wir einfach das, was ohnehin wertvoller ist als alles Andere: Wir schenken Zeit! Wir schenken unseren Liebsten Zeit und gehen mit ihnen Eislaufen auf die Eisbahn im Dolder, schauen mit den Kindern im Kino den neusten Film „The Peanuts“ (wie hab‘ ich Snoopy und Charly Brown geliebt in meiner Kindheit, auch heute noch!), backen zusammen Spitzbuebe, Brunsli und Chräbeli (das Backen selber ist bereits das Erlebnis, wenn die Ecken der Mailänderli anbrennen und andere Pannen passieren…). Oder wir schenken denen, die uns wichtig sind, für’s nächste Jahr einen Gutschein mit Zeit: Wenn unsere Freundin mit ihrem Mann wieder mal einen Abend alleine geniessen will, werden wir ihre Kinder hüten. Wenn unsere Oma einen Ausflug unternehmen will, sich aber alleine nicht mehr traut, werden wir sie begleiten. Es gibt so vieles, für das man Zeit schenken kann. Es ist ein ganz individuelles Geschenk, und es passt immer. Schenken bereit einfach Freude, dem Beschenkten und dem Schenkenden. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ An diese Worte von einem ehemaligen Chef erinnere ich mich oft. Ja: Es ist Zeit, um zu schenken.

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